Die Bedeutung der Unterhaltungsmusik

Heute enthält das Wort Unterhaltungsmusik oft einen abwertenden Beiklang; doch hat es zu allen Zeiten Unterhaltungsmusik in jedem Sinne gegeben. Volksmusik, Volkstänze, Volkslieder, Spielmannsmusik, Reigen und dergleichen dienten ebenso der Unterhaltung wie zum "Unterhalten" ("Konversieren"). Wenn im 18. Jahrhundert Komponisten, deren Werke uns heute als verehrungswerte "große Kunst" gelten (etwa Haydn), für ihre Fürsten allerlei Divertimenti schrieben und spielten oder dirigierten, wenn man zu diesen aus Nebenräumen herübertönenden Klängen genießerisch speiste und anmutig plauderte, wenn man für Augenblicke lauschte und kennerisch den Kopf neigte, dann war das Unterhaltungsmusik in beiden Bedeutungen des Wortes. Leichte, heitere Musik für das Ohr haben viele Komponisten der ernsten Musik zu allen Zeiten geschrieben - wenn auch nur nebenher; Beispiele sind J. S. Bachs Kaffee- und Bauernkantaten, Haydns Divertimenti, Mozarts Tänze, Beethovens Tänze und Märsche, Schuberts und Brahm's Walzer, Debussys Cakewalk, Srawinskis Polka, Ragtime, Scherzo Russe, Hindemiths Foxtrott, Brittens Simple Symphony u. v. a. Die erste Keime dessen, was wir heute unter dem Wort Unterhaltungsmusik verstehen, liegen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrunderts, nämlich dort, wo man die bloße Spielfertigkeit gelegentlich höher schätzte als das (schwere oder leichte) Kunstwerk.


Von der Salonmusik...

Den Anfang machten die Klaviervirtuosen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, besonders als der Konzertflügel das Hammerklavier, den Nachfolger des Cembalos, abzulösen begann. In der Salonmusik, damals wirklich noch Musik im Salon adliger und großbürgerlicher Kreise, wie in der Musik im Konzertsaal glänzten die Virtuosen mit ihrer Spielkunst, und es ist menschlich zu begreifen, wenn sie, angespornt durch den Beifall einer das Äußere über den Gehalt stellenden Zuhörerschaft, immer neue Möglichkeiten des "brillanten" Spiels erdachten. Dahin gehören viele Kompositionen von Franz Liszt, etliche von Chopin, alle von Liszts pianistischem Nebenbuhler Sigismund Thalberg mit seine Fantasie über alle möglichen Opernmelodien. Bei Louis Barthélemy Pradère (1781-1834) erschienen bereits Potpurris, Franz Hünten (1791-1878), Henri Herz (1803-1888), Henri Rosellen (1811.1876) wurden für ihre Salonstücke aller Art nicht minder hoch bezahlt als die Schlagerkomponisten von heute. Wer ihre stücke zu spielen vermochte, kam sich als Salonvirtuose vor.


...bis zur Kaffeehausmusik

In den neunziger Jahren kam eine neue Erscheinungsform der Unterhaltungsmusik auf: die Kaffeehausmusik. In Anlehnung an den Namen Salonmusik bezeichneten sich die in Kaffeehäusern (später Concertcafés genannt) spielenden Ensembles als "Salonorchester". Man unterschied drei Bestzungen: Wiener Besetzung: 1. und 2. Violine, Violoncello, Klavier (Harmonium), wenig Schlagzeug; Berliner Besetzung: Streichquintett, Flöte, Klarinette, Kornett, Posaune, Klavier (Harmonium), kleines Schlagzeug; Pariser Bestzung: wie Berliner Besetzung, aber ohne Bratsche, Klarinette und Posaune. Aber diese standardbesetzungen waren unverbindlich. Da das Klavier in der Lage ist, jede Melodie- und Füllstimme zu übernehmen, genügte für die Kaffeehausmusik meist ein Pianist, ein"Stehgeiger" und ein Cellist.

Als passende Begleitung beim Lesen bieten sich unsere Demo-Stücke an. Wir wünschen viel Vergnügen!

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